texte zur künstlerischen arbeit

 

Leben wuchert                                                                                                        2011 

 

Leben wuchert. Es wächst und sprießt. Es dehnt sich aus. Es vermehrt sich. Verbindungen werden geschaffen. Das kann lebenswichtig, aber auch tödlich sein.

Leben stößt aber auch an Grenzen. Das Leben arrangiert sich damit oder überwuchert sie, wir beengt  oder verkümmert. Es entstehen Oberflächen und Strukturen die wachsen, wuchern und sich wieder zersetzen.

Dieses Spannungsfeld ist für mich besonders interessant. Energie und Zerfall liegen dicht nebeneinander.

Lebendigkeit, Wachstum, Wucherungen globalisieren sich, sie lassen sich aber auch im kleinsten und unscheinbarsten Mikrokosmos finden. Diesen Vorgängen und Möglichkeiten spüre ich in meiner Arbeit nach und erforsche sie mit künstlerischen Mitteln.

 

Mit der Fotografie halte ich das Gefundene fest, die Malerei hilft mir, das Gefundene besser zu beobachten und herauszuarbeiten. die Zeichnung ist für mich das direkteste Mittel, denn mit ihr fließen Gedanken, Assotiationen und Möglichkeiten direkt aufs Papier.

In meinen Fotostickereien verdichten sich diese Aussagen und wuchern weiter.

 

 

Nur für den Augenblick                                                                                         2011

 

Der Augenblick ist ein Symptom unserer schnelllebigen Zeit – Augenblick reiht sich an Augenblick. Materialien dienen uns für den Augenblick, danach werden sie weggeworfen. Bei der Arbeit an dieser Werkgruppe galt mein Interesse den weggeworfenen Teilen. Diese Teile waren vorher die Behältnisse für ein Mittagessen. Schnell wurde der Inhalt verzehrt, hinunter und weg. Danach weg mit der Verpackung. Die Verpackung als Spur einer Handlung, aber auch als Spur des Menschen überall auf der Erde.

 

Essen ist essentiell, es ist aber auch Kulturgut. So ist das Essen, die Art, wie man ißt und wie man mit den Resten des Essens umgeht ein Spiegel unserer Gesellschaft.

 

"Ontbijtjes", die gedeckten Tische auf den Stillleben der alten Meister und insbesondere das Bild "Reste eines Mittagessens" von Jean Siméon Chardin (1699 – 1779) waren die Anregung, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Auch sie waren Spiegelbilder der jeweiligen Zeit, waren jedoch gleichzeitig viel mehr als die bloße Darstellung von Gegenständen mit Hilfe der Malerei. Gleichzeitig interessierte mich an den Verpackungen aber auch die Oberfläche, die Struktur der gebrauchten Materialien. die Strukturen verändern sich  beim Gebrauch, zerknittern, verwittern und sind schnell weggeweht. Ich erliege dabei der Faszination des Morbiden, Gebrauchten, Benutzten. Indem ich die Gegenstände male, gebe ich ihnen eine neue Wertigkeit, kehre ich ihre ursprüngliche Funktion um ins Gegenteil. Die zeitintensive Maltechnik, eine Untermalung mit Tempera und darauf die Ölmalerei in mehreren Schichten, unterstützt diesen Umkehrvorgang.

 

Die realistische Darstellungsweise ist bei dieser Werkgruppe thematisch begründet, sie fasziniert mich aber auch immer wieder. Als Jugendliche wurde ich 1973 zuerst mit den Arbeiten von Duane Henson und anderen Vertretern der Popkunst Ära konfrontiert. Sie beeindruckten mich tief.  

Meine Malerei ergänze ich durch fotografische Arbeiten. Meine Zeichnungen und Künstlerbücher sind für mich das direkteste Mittel, denn mit ihnen fließen Gedanken, Assotiationen und Möglichkeiten direkt aufs Papier.